FDP-Fraktion im Rat der Universitätsstadt Siegen

Stadtbücherei

Antwort der Verwaltung:

Welche Möglichkeiten sieht die Bibliotheksleitung zu einer Sonntagsöffnung?

Die Stadtbibliothek Siegen ist Dienstag bis Freitag von 10:00 - 19:00 Uhr, Samstag von 10:00 bis 14:00 Uhr geöffnet, insgesamt an 40 Stunden wöchentlich. Abgesehen von Feiertagen und den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr, an denen die gesamte Verwaltung und das KrönchenCenter insgesamt geschlossen hat, ist die Bibliothek das ganze Jahr über geöffnet, einschließlich aller Schulferien.
Damit bietet sie bereits jetzt die umfangreichsten Öffnungszeiten im gesamten Kreis Siegen/Wittgenstein an. Die Stadtbibliothek Siegen ist auch die einzige Bibliothek im Kreis, die durchgehend vom Morgen bis in die Abendstunden geöffnet ist. Eine Ausweitung des bereits überdurchschnittlichen Angebotes an Öffnungsstunden ist mit der vorhandenen Personalkapazität nicht möglich.

Mit dem Bibliotheksstärkungsgesetz wurde eine Möglichkeit zur Sonntagsöffnung geschaffen, eine Verpflichtung ist damit nicht verbunden. Damit gibt es für die Kommunen keinen Ansatz, Mittel zur Umsetzung vom Land einzufordern. Es wird von einem Bedarf bestimmter Zielgruppen (vor allem Familien) ausgegangen, eine Untersuchung, die den Bedarf konkret belegt, wurde leider nicht durchgeführt. Damit gibt es auch keine Basis für ein zielgruppengerechtes Angebot. Nimmt man an, dass am Sonntag die gleichen Besucher kommen, wie an den anderen Tagen, stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit der Sonntagsöffnung. Geht man davon aus, dass andere Besucher kommen, sollte das Angebot auf den Bedarf der Zielgruppe zugeschnitten werden.

Die Entscheidung für oder gegen eine Sonntagsöffnung muss die individuellen Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen. Die Stadtbibliothek Siegen verfügt nicht über einen separaten Eingang. Da Stadtarchiv und VHS sonntags geschlossen bleiben, müsste allein für die Bibliothek das KrönchenCenter geöffnet werden. Die Heizungsanlage müsste für das gesamte Gebäude laufen. Außer den Räumlichkeiten der Bibliothek müssten zumindest Flure und Toiletten beleuchtet werden. Ein Hausmeister muss zusätzlich vor Ort sein. Auch für die Reinigung der Sanitäranlagen müsste gesorgt werden. Sollen zusätzliche Öffnungsstunden am Sonntag nicht zu Lasten der bestehenden Öffnungszeiten an den anderen Wochentagen gehen, was angesichts der Besucherfrequenzen an diesen Tagen kontraproduktiv wäre, müsste zusätzliches Personal eingestellt werden. 2018 hatte die Bibliothek fast 179.000 Besucher, das entspricht über 3.600 pro Woche. Eine Abdeckung mit vorhandenem Personal (zusätzlich) ist aus verschiedenen Gründen problematisch. Es entstünden Überstunden, die kaum wieder abgebaut werden können und zu Arbeitsstau führen würden, da ein Überstundenabbau während der Öffnungszeiten kaum möglich ist. Bei einer Verpflichtung zum Sonntagsdienst wäre der Personalrat zu beteiligen, um die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu wahren.

Die Öffnung mit nichtfachlichem Personal würde dem Qualitätsanspruch der Bibliothek widersprechen. Im Übrigen würden auch für diese Variante Personalkosten anfallen. Zudem würde sich die Frage nach dem Mehrwert für Besucher stellen, wenn die gewohnte Beratung und das Veranstaltungsangebot fehlen. Es ist anzunehmen, dass die Nutzer des Angebotes nicht zwischen dem Fachpersonal und den Hilfskräften unterscheiden. Die mangelnde Qualität der Beratung würde negativ auf die Bibliothek abfärben und das Ansehen der Einrichtung nachhaltig beschädigen. Das würde auch ein schlechtes Licht auf die Stadt Siegen als Träger werfen.

Die Stadtbibliothek Siegen befindet sich nicht in einer zentralen Lage. Die umliegenden Ladenlokale sind sämtlich am Sonntag geschlossen.

Aus der Praxis ist bekannt, dass insbesondere Besucher aus weiter entfernten Stadtteilen und dem Umland den Bibliothekbesuch mit anderen Aktivitäten verbinden. Dazu gehören Einkäufe, der Besuch anderer Freizeit- und Kultureinrichtungen und Behördengänge im gegenüberliegenden Rathaus. Die Bibliothek ist zu den Tagen und Zeiten, an denen gegenüber der Wochenmarkt stattfindet, besonders stark frequentiert. An einem Sonntag würde das entsprechende Umfeld weitgehend fehlen.

Mit den aktuellen räumlichen und personellen Gegebenheit ist die Stadtbibliothek Siegen für eine Sonntagsöffnung nicht geeignet. Eine Umsetzung wäre in jedem Fall mit zusätzlichen Personalkosten verbunden, die dauerhaft von der Stadt Siegen zu tragen wären. Vor dem Hintergrund weiterer notwendiger Investitionen für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Bibliothek stellt sich die Frage, ob die Sonntagsöffnung so bedeutsam ist, dass ihr die oberste Priorität eingeräumt werden sollte. Worum es aktuell geht, wird bei den weiteren Fragen erläutert.

Liegt dieses Konzept {zur Weiterentwicklung der Bibliothek} inzwischen vor? Liegt die Bachelorarbeit vor?
In der Bachelorarbeit vom 15.2.2018 wird die Bevölkerungs- und Stadtentwicklung dargestellt. Für die Stadtbibliothek wird der Ist-Zustand beschrieben. Anschließend werden Handlungsempfehlungen gegeben. Diese beziehen sich auf das Veranstaltungs- und Raumangebot für drei Bereiche („Rollen“): „Wohnzimmer der Stadt“, „Entdeckerraum“ und „Kooperativer Lernort“. Die Angebote sind untergliedert in die Zielgruppen „Kinder“, „Jugendliche“, „Junge Erwachsene“ und „Erwachsene / Senioren“. Als zentral wird die Entwicklung zum „Wohnzimmer der Stadt“ gesehen.

Das vorgesehene Konzept konnte durch den Wechsel der Bibliotheksleiterin an eine andere
Bibliothek nicht wie vorgesehen fertiggestellt werden. Es wurde aber nach Neubesetzung der Bibliotheksleitung wieder aufgegriffen.

Das Förderprogramm „Dritte Orte“ bezieht sich auf den ländlichen Raum, für den genau festgelegt wurde, welche Städte und Gemarkungen (Ortsteile) hinzugehören. Für Siegen sind dies nur bestimmte ländliche Ortsteile. Eine Nachfrage beim Ministerium ergab, dass dies für die Stadtbibliothek Siegen nicht das geeignete Förderprogramm ist. Stattdessen wurde auf die Bibliotheksförderung des Landes NRW verwiesen. Die Stadtbibliothek hat daher einen Antrag auf Förderung der Weiterentwicklung zum Dritten Ort bei der Bezirksregierung Düsseldorf gestellt. Diese ist zuständig für die Bibliotheksförderung des Landes NRW durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft. Vorgesehen sind:
- Professionelle konzeptionelle Projektbegleitung durch einen Fachberater
- Einrichtung von „Leseinseln“ mit Lesesessel und Leseleuchten
- Anschaffung von mobilen Trennelementen mit schalldämpfender Eigenschaft zur visuellen und akustischen Abgrenzung für Lerngruppen
- neue Möblierung mit Sofas und Sesseln, die bequemes Sitzen und leichtes Aufstehen ermöglichen
- neue Sitzmöbel für die Jugendabteilung mit Steckdosenanschluss
- zeitlich begrenzte Finanzierung einer pädagogischen Fachkraft, die Veranstaltungsangebote für den vorhandenen Gaming-Raum entwickeln soll und „Maker space“, in dem Kinder und Jugendliche spielerisch den Umgang mit Robotern, elektrischen Schaltungen und anderen Themen erlernen
- Begleitung des Angebotes durch Werbematerialien und Veranstaltungen

Bei Bewilligung des Antrags wird der Zuwendungsbescheid für Mai 2020 erwartet.

Wie ist der Stand bezüglich der Selbstverbuchung? Lassen sich aus der konsequenten Einführung der Selbstverbuchung Ressourcen für die Finanzierung der Sonntagsöffnung erwirtschaften?

Für die Selbstverbuchung wurden Mittel für den Haushalt 2020 beantragt. Es liegt beim Kulturausschuss und dem Stadtrat, ob diese Mittel bewilligt werden.

Zur Erwirtschaftung von Ressourcen (Einsparung)
Die Einführung der Selbstverbuchung dient nicht dazu, Personalkapazitäten einzusparen. Ein Selbstverbucher kann auch nicht sämtliche mit der Medienausleihe zusammenhängenden Tätigkeiten übernehmen. Durch die Verringerung des zeitlichen Arbeitsanteils an Verbuchungsvorgängen besteht die Möglichkeit, die Fachangestellten mit entsprechender Qualifizierung für andere Aufgaben einzusetzen. Der Umfang von Beratung nimmt immer mehr zu. Die Anfragen beziehen sich auf Literatur, Sachbücher, aber auch auf technische Fragen zum elektronischen Angebot der Bibliothek, wie die Nutzung unserer Datenbanken und der Onleihe24 (E-Books und weitere elektronische Medien). Ein weiteres Einsatzfeld liegt bei der Unterstützung der Bibliothekarinnen und Bibliothekare in der Zusammenarbeit mit Schulen. Die Förderung von Lese- und Medienkompetenz gehört zu den Kernaufgaben der Bibliothek und muss auch personell entsprechend ausgestattet werden. Ein Abzug des Personals würde sich negativ auf die Qualität des Bibliotheksangebotes auswirken. Daher wird hier kein Einsparpotential gesehen.


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